Deutsch
English

Institut für Klinische Transfusionsmedizin und Hämotherapie
Oberdürrbacher Str. 6
97080 Würzburg

Direktor
Prof. Dr. med. Markus Böck
Universitätsklinikum Würzburg
Oberdürrbacher Straße 6
97080 Würzburg
Tel.: 09 31-201 313 00
Fax: 09 31-201 313 76
e-mail: Markus.Boeck@mail.uni-wuerzburg.de

 

Vorlesung Transfusionsmedizin


ABO-System
Das "Landsteiner - Labor"

Das ABO-System

Blutgruppen Erythrozyten I (Das ABO-System)


Bis heute sind insgesamt 29 Blutgruppensysteme bekannt, von denen das wichtigste System das ABO-System darstellt. Es wurde im Jahre 1901 durch Karl Landsteiner entdeckt, der im Jahre 1930 den Nobelpreis dafür erhielt. Landsteiner hatte die Zellen sowie die Seren von ihm selbst und 5 Mitarbeitern, die in seinem Labor promovierten, in unterschiedlichen Kombinationen zusammengegeben und dabei festgestellt, dass es bei bestimmten Konstellationen von Serum und Erythrozyten zu einer Verklumpung kam, während dies bei anderen Konstellation nicht der Fall war. Im Gegensatz zu vielen anderen großen Entdeckungen wurde diese Erkenntnis über das ABO-System jedoch jahrelang von der Fachwelt nicht oder nur wenig beachtet. Es dauerte fast zwei Jahrzehnte, bevor man sich der Bedeutung dieser Erkenntnis wirklich bewusst wurde und sie Einfluss auf die Behandlung von Patienten nahm.

Die Antigene das ABO-Systems (A, B, AB, 0) stellen Glykoproteine dar, die sich nicht nur auf der Oberfläche der Erythrozyten, sondern auch auf der zahlreicher anderer Körperzellen befinden. Es mag überraschen – aber auf der Oberfläche des Nierengewebes befinden sich weit mehr ABO-Antigene als auf den Erythrozyten selbst. Ähnlich ist die Situation auch bei anderen Organen wie der Leber oder dem Herzen. Deshalb spielen die ABO-Antigene nicht nur bei der Bluttransfusion, sondern auch bei den meisten Organtransplantationen eine wesentliche Rolle.

Die ABO-Antigene modulieren die Aktivität zahlreicher anderer Proteine. So weiß man beispielsweise, dass im Serum von Patienten der Blutgruppe O der von-Willebrand-Faktor (ein wichtiger Gerinnungsfaktor) in deutlich geringerer Aktivität vorliegt als im Serum von Patienten der Blutgruppe A.