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Institut für Klinische Transfusionsmedizin und Hämotherapie
Oberdürrbacher Str. 6
97080 Würzburg

Direktor
Prof. Dr. med. Markus Böck
Universitätsklinikum Würzburg
Oberdürrbacher Straße 6
97080 Würzburg
Tel.: 09 31-201 313 00
Fax: 09 31-201 313 76
e-mail: Markus.Boeck@mail.uni-wuerzburg.de

 

Vorlesung Transfusionsmedizin


Biochemie

Blutgruppen Erythrozyten I (Das ABO-System)



Biochemisch handelt es sich bei den Antigenen des ABO-Systems um endständige Kohlenhydratabschnitte, die von genetisch determinierten Glykosyltransferasen modifiziert werden. Je nachdem, welche Glykosyltransferasen determiniert sind, werden die Kohlenhydratabschnitte unterschiedlich konfiguriert und bestimmen unterschiedliche Blutgruppen.

 

(D)

Biochemie


Ausgangspunkt auf den Erythrozyten ist die sog. Grund- oder Vorläufersubstanz, die durch die endständige Zuckersequenz Galaktose – N-Acetylglucosamin – Galaktose gekennzeichnet ist.

Durch die α-L-Fucosyltransferase (genetisch determiniert auf dem sog. H-Gen) wird eine Fucose angefügt und es entsteht die sog. H-Substanz. Bei Personen der Blutgruppe 0 bricht die Synthese auf dieser Stufe ab. Weitere aktive Transferasen sind bei diesen Personen nicht determiniert. Menschen der Blutgruppe 0 sind also durch die ausschließliche Existenz der H-Substanz auf ihrer zellulären Oberfläche gekennzeichnet.

Bei Personen der Blutgruppe B ist eine zusätzliche Glykosyltransferase (Galaktosyl-Transferase) determiniert, welche eine weitere Galaktose an die H-Substanz anfügt.

Bei Personen der Blutgruppe A wird anstelle der Galaktose ein N-Acteyl-Galaktosamin an die H-Substanz angefügt (N-Acetyl-Galaktosaminyl-Transferase).

Bei Personen der Blutgruppe AB sind beide Enzyme (Galaktosyl-Transferase und N-Actyl-Galaktosaminyl-Transferase) genetisch determiniert, so dass man auf der Oberfläche der Erythrozyten sowohl Glykoproteine der Blutgruppe A als auch der Blutgruppe B findet.

Sondersituation Neugeborene
Während bei erwachsenen Menschen die Kohlenhydratketten normalerweise verzweigt sind und dadurch hohe Antigendichten auf der Oberfläche der Erythrozyten entstehen, ist dies bei Neugeborenen in der Regel nicht der Fall. Daher ist die Antigenbestimmung bei Neugeborenen sehr viel schwieriger als bei erwachsenen Menschen. Hinzu kommt, dass man bei Neugeborenen noch keine Isoagglutinine nachweisen kann. Beides führt dazu, dass die Blutgruppenbestimmung bei Neugeborenen niemals als endgültig und sicher betrachtet werden kann. Dementsprechend sollte man bei Neugeborenen auch keine Blutgruppenausweise ausstellen. Auch bei der Blutgruppenauswahl der transfundierten Konserven muss dieses Phänomen berücksichtigt werden.

Grafik Sondersituatuion

Häufigkeiten
In der folgenden Tabelle wird die aus der Literatur entnommene Häufigkeitsverteilung in Deutschland dargestellt. Parallel dazu findet sich eine Analyse von 122 178 Patienten, die in den letzten Jahren am Universitätsklinikum in Würzburg behandelt wurden. Man erkennt deutlich, dass Würzburg „ganz gut im Trend“ liegt.

Blut-
gruppe

Häufigkeit in
Deutschland (%)

Häufigkeit in
Würzburg (%)

0

40 – 42

39,5

A

42 – 44

44,5

B

10 – 12

11,5

AB

4,5 – 5,5

4,5