Institut für Klinische Transfusionsmedizin und Hämotherapie
Oberdürrbacher Str. 6
97080 Würzburg
Direktor
Prof. Dr. med. Markus Böck
Universitätsklinikum Würzburg
Oberdürrbacher Straße 6
97080 Würzburg
Tel.: 09 31-201 313 00
Fax: 09 31-201 313 76
e-mail: Markus.Boeck@mail.uni-wuerzburg.de
Vorlesung Transfusionsmedizin
Der interessante Fall
Blutgruppen Erythrozyten I (Das ABO-System)
Eine 66jährige Patienten berichtet über hellrote Blutauflagerungen auf dem Stuhlgang, die ihr seit etwa 4 Wochen aufgefallen seien. Die daraufhin durchgeführte Coloskopie zeigt einen ulcerierenden Tumor im Colon ascendens. Es wird eine Probebiopsie entnommen; die Histologie ergibt ein Colon-Carcinom. Hinweise auf Metastasen (z.B. Lunge, Leber) finden sich bei den weiteren Untersuchungen nicht.
Die Patientin wird stationär zur Hemicolektomie aufgenommen. Die Vorgeschichte ist mit Ausnahme einer milden Hypertonie sowie zwei Schwangerschaften vollkommen unauffällig. Die Hemicolektomie erfolgt komplikationslos. Am 1. postoperativen Tag sollen der Patientin wegen eines Hb-Wertes von 8,2 g/dl 2 Erythrozyenkonzentrate transfundiert werden.
Ca. 15 Minuten nach Beginn der ersten Transfusion klagt die Patientin über plötzlich auftretende, beidseitige Flankenschmerzen und starke Übelkeit. Kurz danach kommt es zu einem rapiden Blutdruckabfall auf Werte von 50/20 mmHg. Parallel dazu treten Rhythmusstörungen in Form von Bigemini und Trigemini auf. Die Patientin erhält Katecholamine und wird auf die Intensivstation verlegt. Dort fällt beim Legen eines Blasenkatheters rötlich verfärbter Urin auf. Im weiteren Verlauf kommt es zu einem progredienten Nierenversagen, einer disseminierten intravasalen Gerinnung (DIC) sowie einem trotz maximaler Therapie mit Katecholaminen nicht beherrschbaren Kreislaufverfall. Die Patientin verstirbt einen Tag nach Aufnahme auf der Intensivstation.
Was könnte passiert sein?



