Institut für Klinische Transfusionsmedizin und Hämotherapie
Oberdürrbacher Str. 6
97080 Würzburg
Direktor
Prof. Dr. med. Markus Böck
Universitätsklinikum Würzburg
Oberdürrbacher Straße 6
97080 Würzburg
Tel.: 09 31-201 313 00
Fax: 09 31-201 313 76
e-mail: Markus.Boeck@mail.uni-wuerzburg.de
Vorlesung Transfusionsmedizin
Man unterscheidet zwei Indikationsgruppen:
- die therapeutische Indikation: diese liegt dann vor, wenn ein thrombozytopenischer Patient blutet und die Transfusion die Blutung stoppen soll
- die prophylaktische Indikation: diese liegt dann vor, wenn ein thrombozytopenischer Patient nicht blutet und die Transfusion einer Blutung vorbeugen soll.
a) Die therapeutische Indikation
Liegen die Thrombozytenzahlen unter 50 000/µl, so sollte beim Vorliegen einer stärkeren Blutung eine Thrombozytentransfusion durchgeführt werden. Gleiches gilt natürlich bei einem chirurgischen Eingriff (Ausnahme: Splenektomie bei M. Werlhof), einer Lumbalpunktion oder einer Organbiopsie (Ausnahme Knochenmarkbiopsie); hier sollten die Thrombozyten vor dem Eingriff auf ca. 50 000/µl angehoben werden.
Bei neurochirurgischen Eingriffen oder bei Operationen am Auge bzw. bei Massivblutungen sollte man eine Thrombozytenzahl von 70 000 - 100 000/µl anstreben.
b) Die prophylaktische Indikation
Bei der prophylaktischen Transfusion ist die Situation wesentlich komplexer. Hier gilt es, die Ursache der Thrombozytopenie mit in die Überlegungen einzubeziehen:
| Chronische Leberinsuffizienz | keine prophylaktische Transfusion |
| Thrombozytenfunktionsstörungen (z.B. M. Glanzmann) | keine prophylaktische Transfusion |
| Erhöhter Thrombozytenumsatz (z.B. M. Werlhof) | keine prophylaktische Transfusion |
| Intermittierende Bildungsstörung (z.B. Chemotherapie) | Transfusion bei < 5 000 - 10 000/µl |
Bei Neugeborenen ist die Situation etwas anders. Hier sollte wegen der noch ungenügend ausgebildeten plasmatischen Gerinnung auch ohne Blutungszeichen grundsätzlich eine Thrombozytenzahl von ca. 30 000/µl aufrecht erhalten werden.
Grundsätzlich gilt:
Etwa 1-2 Stunden nach einer Transfusion (spätestens am nächsten Morgen) müssen die Thrombozytenwerte im peripheren Blut des Patienten kontrolliert werden. Nur so kann man den Erfolg der Thrombozytentransfusion objektiv überprüfen und eine Refraktärität erkennen.




